Nachhaltigkeit
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17. Jun 2021
|
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5 min
| von Patrick Montagnolli
Wie nachhaltiges E-commerce funktionieren kann
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E-Commerce und Nachhaltigkeit sind aus unserer modernen digitalen Zeit nicht mehr wegzudenken. Doch kann man E-Commerce auch nachhaltiger gestalten? Und durch welche gezielten Maßnahmen lässt sich trotz steigender Verkaufszahlen der Onlinehandel umweltfreundlicher und klimaschonender abwickeln? Wir haben mit Stéphane Girard gesprochen, der sich bei uptodate gemeinsam mit seinem Team um nachhaltige Versand- und Liefermaßnahmen kümmert und herausgefunden, dass sich Online-Shopping und Nachhaltigkeit nicht zwingend ausschließen müssen.
elche Herausforderungen siehst Du für E-Commerce bezüglich Nachhaltigkeit?

Welche Herausforderungen siehst Du für E-Commerce bezüglich Nachhaltigkeit?

Da gibt es einige. Zunächst einmal der immense Verpackungsmüll, der im Onlinehandel entsteht. Viele Onlinehändler verschicken Ware aus Kostengründen in standardisierten Einwegverpackungen aus Karton. Hier muss meist viel leerer Raum mit Styropor oder Kunststoff ausgefüllt werden, um das darin befindliche Produkt während des Transports zu schützen. Ein zweiter großer Punkt ist das Thema Retouren. Rücksendungen verursachen zusätzlichen Verpackungsmüll und verbrauchen viel Energie durch den Rücktransport. Statt ein defektes Produkt auf Gebrauchsfähigkeit zu testen, ist es für große Anbieter teilweise sogar günstiger, das Produkt zu vernichten. Was ökologischer Wahnsinn ist. Erschwerend dazu kommt, dass ein Großteil der Kund:innen bei der Zustellung gar nicht zu Hause ist. D. h. man muss als Kund:in hinterher selbst ins Auto steigen und sein Paket in einer Poststelle abholen. Das verschlechtert die Ökobilanz des Produkts noch zusätzlich. All diese Faktoren gemeinsam belasten das Klima und die Umwelt und daher entstand bei uns allen der Wunsch, den gesamten Prozess Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten.
Vor welchen Schwierigkeiten standet ihr, um nachhaltiger zu werden?

Vor welchen Schwierigkeiten standet ihr, um nachhaltiger zu werden?

Die Hauptschwierigkeit war bestimmt unser Mangel an Erfahrung. Wenn man einen ganzen Geschäftszweig, in unserem Fall den logistischen Part von Grund auf neu aufbaut, ohne jegliche Erfahrungswerte, hat man keine Zeit, um sich über umweltfreundliches Füllmaterial oder die Verschwendung von Verpackungsmaterial Gedanken zu machen. Wir mussten die richtigen Produkte in gutem Zustand zu versprochenen Lieferzeiten unseren Kund:innen schicken. Egal wie. Selbstredend macht man dabei viele dumme Fehler und erzielt gleichzeitig unglaubliche Fortschritte und hat erst, sobald man grundlegende Prozesse erfolgreich etabliert hat, die Zeit, um nachhaltige Maßnahmen langsam zu implementieren. Gleichzeitig darf man den wirtschaftlichen Aspekt eines Umstiegs auf Nachhaltigkeit nicht vergessen, denn Nachhaltigkeit kostet Geld. Papier als Füllmaterial ist teurer als Kunststoff. Auch die Verwendung von Papierklebeband im Gegensatz zur Kunststoffvariante schlägt sich zu Buche. Ebenso wie selbstverschließende Boxen im Vergleich zu einfachen Boxen. Somit beschränkt sich Nachhaltigkeit nicht nur darauf, nachhaltigere Produkte zu verkaufen oder einen freiwilligen Klimabeitrag während des Bezahlvorgangs anzubieten. Die größten Verbesserungen lassen sich mithilfe logistischer Praktiken erzielen, die man sich als Unternehmen aber auch leisten können muss. Zum Glück stand das zusätzliche „Nachhaltigkeitsbudget“ bei uptodate nie zur Debatte. Wir legen alle großen Wert auf Umwelt und Klima und machen Nachhaltigkeit zu unserem Firmenethos, weil wir erkannt haben, dass sich die Zeiten ändern und unsere Kund:innen diesen nachhaltigeren und ethischeren Weg zu schätzen wissen.
Welche Maßnahmen habt ihr schon ergriffen?

Welche Maßnahmen habt ihr schon ergriffen?

Wir vermeiden Papierausdrucke von Lieferscheinen und Rechnungen und senden unseren Kund:innen alles Erforderliche nur noch digital per E-Mail zu. Gleichzeitig haben wir eine breite Palette an Kartongrößen angelegt und eingelagert, um alle Artikel der Größe entsprechend verschicken zu können. Das reduziert maßgeblich das Risiko, dass Artikel während des Versands beschädigt werden, retourniert werden müssen und eine zusätzliche Umweltbelastung durch den Rücktransport entsteht. Gleichzeitig verringert sich durch die passgenauen Kartons der Einsatz von Verpackungs- und Füllmaterial, das hinterher ohnehin nur im Müll landet. Für kleine leichte Produkte verwenden wir spezielle „Wrap-Around-Boxen”, die ganz ohne Verpackungsmaterial auskommen. Wir selbst legen natürlich ebenfalls großen Wert auf die Wiederverwendung von Kartons und Verpackungen von Produkten, die wir zugeschickt bekommen und versuchen generell immer alle Materialien sinnvoll weiter zu verwenden. Und wenn wir für einen Versand dennoch einmal Füllmaterial benötigen, entscheiden wir uns immer für Papier anstatt für Plastik. Ebenso wie beim Klebeband. Da kommt bei uns eine nachhaltige Alternative aus Papier zum Einsatz.
Was ist für die Zukunft geplant?

Was ist für die Zukunft geplant?

Wir stehen derzeit noch am Anfang des Nachhaltigkeitsprozesses, verbessern uns aber Schritt für Schritt, um dem Thema dauerhaft und vor allem effektiv Rechnung zu tragen. Unsere Logistik und vor allem der Versand sind momentan immer noch ausbaufähig, was Nachhaltigkeit betrifft. Doch wir haben bereits einige Bereiche ausgemacht, in denen wir uns in Zukunft noch mehr weiterentwickeln werden. So sind wir derzeit mit einer Firma im Gespräch, die sich darauf spezialisiert hat, Kartons in Füllmaterial umzuwandeln. Nicht verwertbare Kartons werden einfach geschreddert, in Papiertüten gefüllt und hinterher als Füllmaterial verwendet. Ohne jegliche Abfallprodukte. Großes Potenzial liegt auch im sinnvollen Management von Retouren. Dazu planen wir in naher Zukunft eine neue Funktion in unserem Onlineshop, die es Kund:innen ermöglicht, gebrauchte Artikel zu einem niedrigeren Preis zu bekommen. Derzeit verkaufen wir retournierte Produkte über ebay. Um jedoch noch nachhaltiger zu sein, sollte sich die Anzahl der zurückgesendeten Artikel auf ein Minimum beschränken. Wir haben herausgefunden, dass oft Missverständnisse ein Grund für Retouren sind oder falsche Größenangaben. Deshalb arbeiten wir nun viel enger mit unseren Produktmanagern zusammen, verbessern die Produktbeschreibungen und schaffen zusätzliche Hilfestellungen, wie etwa eine Anleitung zum Ausmessen des Kopfes, zur Ermittlung der idealen Helmgröße. Eine weitere nachhaltige Maßnahme, die ganz oben auf unserer Liste steht, ist der Ausbau von Dropshipping-Optionen mit unseren Großhändlern und Produzenten. Gute Preise kann man schlussendlich nur durch den Einkauf von großen Mengen anbieten. Aber es ist kein schönes Gefühl, wenn man eine Großbestellung erhält, die Artikel auspackt, in einen anderen Karton umpackt und weiter an Endkund:innen schickt. Da entsteht leider sehr viel Müll. Deshalb wollen wir durch den verstärkten Einsatz von Dropshipping diesen Zwischenschritt umgehen, weil dadurch die Transportwege verkürzt werden, der Einsatz von Verpackungsmaterial minimiert wird und sich der ökologische Fußabdruck effektiv verringert. Vielen Dank für das Gespräch!

FAZIT: E-Commerce und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch.

Es gibt viele Möglichkeiten, E-Commerce nachhaltiger zu machen und verantwortungsvoller mit Ressourcen umzugehen. Intelligente Lieferlösungen, umweltfreundliche Verpackungen und überflüssige Retouren sind dabei ein guter Anfang, den man sowohl als Unternehmen als auch als Endkund:in beherzigen sollte.