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ESG: Wieso? Weshalb? Warum?

Aktualisiert: 8. Apr.

Hand hält nachhaltige Kugel mit Pflanze darin

Im Jahr 2004 brachte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan die Führungskräfte von über 50 großen und einflussreichen Finanzinstituten zusammen. Das Ziel: Wege zu finden, um Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Faktor für Investitionsentscheidungen zu machen. Aus den gemeinsamen Bemühungen ging ein Bericht mit dem Titel “Who Cares Wins” hervor, der erstmals den Zusammenhang zwischen Finanzanlagen und Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen beleuchtete.


Die Anfangsbuchstaben der englischen Entsprechungen, Environment, Social und Governance, wurden damit zu dem Begriff, der heute aus der Unternehmens- und Finanzwelt kaum wegzudenken ist. Anhand von ESG-Standards lässt sich beurteilen, inwieweit Unternehmen verschiedene Nachhaltigkeitskriterien in ihrer Geschäftstätigkeit berücksichtigen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was ESG konkret bedeutet und warum die drei Buchstaben auch für Ihr Unternehmen eine Rolle spielen. 





1. Umwelt (Environment)

Dieser Bereich bezieht sich auf die Auswirkungen, die ein Unternehmen auf die Umwelt hat und die Maßnahmen, die es ergreift, um diese zu minimieren. Sowohl im Büroalltag als auch in der Produktion, bei der Ausführung von Dienstleistungen und entlang der Lieferkette werden täglich Energie, Wasser und andere Ressourcen verbraucht, Abfälle entsorgt, Produkte verkauft und Personal und Waren transportiert.


Der fortschreitende Klimawandel verlangt deswegen auch von Unternehmen, ihre direkten und indirekten Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren, Müll so weit wie möglich zu vermeiden und ihn korrekt zu entsorgen, erneuerbare Energien zu nutzen und einen sparsamen und rücksichtsvollen Umgang mit Ressourcen zu pflegen.


Wer auf ökologische Nachhaltigkeit achtet und seine Umweltauswirkungen überwacht und gezielt verringert, kann Kosten sparen, Risiken minimieren und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten.



2. Soziales (Social)

Soziale Nachhaltigkeit mag weniger offensichtlich erscheinen als Umweltthemen, sie ist aber ebenso wichtig für den Erfolg und die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Darunter fallen alle Aspekte, die die Beziehung zu den Mitarbeiter:innen, Kund:innen, Lieferant:innen, Gemeinschaften oder anderen relevanten Anspruchsgruppen betreffen.


Für ein gutes ESG-Ranking muss sichergestellt sein, dass faire und gerechte Arbeitsbedingungen herrschen, dass Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz ernst genommen werden und dass Menschenrechte entlang der Lieferkette eingehalten und geschützt werden. Außerdem betrifft der Sozialbereich das Arbeitsklima: Vielfalt und Inklusion, Gleichberechtigung und Familienfreundlichkeit müssen aktiv gefördert werden, um ein produktives und respektvolles Miteinander zu schaffen.


Dafür braucht es flexible Arbeitsmodelle, transparente Kommunikation und die Offenheit aller Mitarbeitenden, auf einander zuzugehen und stetig dazuzulernen.



3. Unternehmensführung (Governance)

Ökologische und soziale Nachhaltigkeit ist nur umsetzbar, wenn sie auch in die Strukturen und Prozesse eines Unternehmens integriert wird. Dazu zählt unter anderem, die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften zu kontrollieren, die Umweltauswirkungen zu überwachen und eine transparente und regelmäßige Berichterstattung zu gewährleisten.


Mitarbeiter:innengespräch im Büro

Außerdem müssen nachhaltige Zielsetzungen und entsprechende Maßnahmen als Teil der Unternehmensstrategie festgehalten werden, um messbare Fortschritte anzustoßen. Weitere Wege, um Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung zu verankern, sind ein Verhaltenskodex mit klar definierten ethischen Grundsätzen, die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken im Risikomanagement und die Einbindung von Stakeholder:innen in Entscheidungsprozesse.


Das schafft nicht nur Klarheit unter allen Mitarbeitenden über die gemeinsame Mission, sondern transportiert auch die Glaubwürdigkeit und das Verantwortungsbewusstsein des Unternehmens nach außen.



4. ESG heute

Die Veröffentlichung des “Who Cares Wins”-Papers war die Geburtsstunde von ESG. Seitdem zeigt sich immer deutlicher, was der Bericht bereits vor knapp 20 Jahren prognostizierte: ESG-Kriterien zu berücksichtigen, ist für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens entscheidend. Grund dafür sind unter anderem die damit einhergehenden Kostensenkungen, geminderte Risiken und eine transparente Berichterstattung, die Investitionen attraktiv machen. Gleichzeitig werden auch Konsumentscheidungen vermehrt von ökologischen und sozialen Standards beeinflusst.


Inzwischen orientieren auch internationale Organisationen ihre offiziellen Richtlinien immer häufiger an ESG: Im Juli 2023 hat die EU-Kommission das erste Set der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) veröffentlicht, während weitere Regelungen folgen sollen. ESRS beinhaltet verbindliche Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen und ist in die drei Themenbereiche Umwelt, Soziales und Governance gegliedert.


Auch die 17 Sustainability Goals (SDG) der Vereinten Nationen zielen auf Umweltschutz, nachhaltiges Wirtschaften und soziale Gerechtigkeit ab. Aus der Intention, ESG-Themen stärker ins Blickfeld von Unternehmen zu rücken, ist also eine weltweit anerkannte Messgröße geworden, die Nachhaltigkeit mit ihren einzelnen Dimensionen in der Wirtschaft nicht nur sichtbar, sondern auch zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor macht.



5. ESG auf einen Blick: Beispiele, was Sie tun können


E: Economics (Umwelt)

  • Recycling, Wasser und Energie sparen (schalten Sie Geräte und Licht hinter sich aus, drehen Sie den Wasserhahn zu, nutzen Sie Geräte energiesparend), fahren Sie mit dem Fahrrad zu Arbeit oder bilden Sie Fahrgemeinschaften

  • Regen Sie dazu an, nachhaltige Snacks bereitzustellen (bio-fairtrade-öko), z.B. Obstkisten aus der Region abonnieren

  • Greifen Sie in der Mittagspause weniger auf tierische Produkte zurück und vermeiden Sie Abfälle durch To-Go oder beim Bürobedarf 

  • Engagieren Sie sich für Projekte, die Artenvielfalt / Natur- oder Tierschutz unterstützen


S: Social (Soziales)

  • Bleiben Sie informiert über Themen wie Alltagsrassismus und Diskriminierung und begegnen Sie Kolleg:innen unvoreingenommen und mit Respekt

  • Nehmen Sie Rücksicht auf andere Lebensrealitäten und praktizieren Sie eine konstruktive Feedback- und Fehlerkultur


G: Governance (Unternehmensführung)

  • Halten Sie sich an den Verhaltenskodex, setzen Sie sich mit Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie auseinander und machen Sie sich bewusst, was Ihre Ziele für Sie und Ihre Position bedeuten

  • In Entscheidungsprozessen und Neuerungen können Sie sich  aktiv daran erinnern, dass Nachhaltigkeit eine Rolle spielen sollte



Quellen:

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